Bethlehemkellertreff (BKT)

BKT steht für Bethlehemkellertreff und ist der offene Jugendtreff der ev.-luth. Kirchengemeinde Linden-Nord. Schon seit über 50 Jahren wird der Keller unter der Bethlehemkirche in Hannover Linden für die Jugendarbeit genutzt. Da, wo jetzt Teppiche, Sofas, Computer und bunt gestaltete Räume sind, war einst nur ein Kellergewölbe mit viel Erde und Schutt. 1967/68 begann sich der damalige Sozialarbeiter der Gemeinde mit Jugendlichen aus dem Stadtteil – im wahrsten Sinne des Wortes – den Jugendkeller zu „erarbeiten“. Mit viel Mühe und Zeit wurde in Eigenleistung das Fundament für eine Jahrzehnte lange erfolgreiche Jugendarbeit gelegt. Bis heute ist es in der „DNA“ der Jugendarbeit im Bethlehemkellertreff so geblieben, dass die Jugendlichen sich die Räume selber gestalten und selber mit anpacken. Seit der Nutzung des Jugendkellers hat er schon jegliche Wandfarbe gesehen und wurde immer wieder von der aktuellen Generation an ihre eigenen Bedürfnissen angepasst. Über die Jahre sind immer mehr Kellerräume ausgebaut worden, in die u. a. eine Kegelbahn (seit 1989) gebaut wurde. Im Rahmen der Jugendarbeit des BKT sind darüber hinaus noch weitere Räume und Flächen dazu erschlossen worden, wie das Klettern im und am Kirchturm (1997 bis 2011), die selbstgebaute Skateranlage (seit 1999, Neubau 2014) unter der Schnellwegbrücke und die eigens angelegte Beachvolleyballanlage (2002 bis 2010) auf einer angrenzenden Grünfläche der Stadt Hannover.

Seit 1987 wird der BKT von der Stadt Hannover mit einer jährlichen Zuwendung unterstützt, mit der in erster Linie eine Vollzeitstelle für eine/n Sozialarbeiter/in finanziert wird. Über Drittmittel und Zuschüsse für Projektförderung werden Gelder für Honorarkräfte und besondere/größere Anschaffungen akquiriert.

Der Jugendkeller verfügt z. Zt. über ein Wohnzimmer, eine Küche, einen Mädchen- und einen Computerraum, eine Werkstatt, einen Spiel- und Sportbereich sowie eine „Disco“ und die Sanitäranlagen. Auf ca. 350m² bietet der Keller den Jugendlichen viel Platz für eine sinnvolle und selbstbestimmte Freizeitgestaltung. Gerade die Weite und Verwinkelung des BKTs wird von den Jugendlichen geschätzt und bietet den verschiedenen Cliquen ein gutes „Nebeneinander“. 

Die Zielgruppe des Jugendkellers sind Jugendliche ab 13 Jahren unabhängig von ihrer sozialen, kulturellen oder religiösen Herkunft. Der Schwerpunkt liegt auf den 13 bis 17-jährigen Jugendlichen. Die jungen Erwachsenen (18+) werden aber nicht „ausgeschlossen“, sondern helfen in der Regel als Teamer und Ehrenamtliche bei diversen Aktionen und Angeboten. Während unserer Freizeiten und Zeltlager in den Ferien sind sie eine wichtige Stütze für unsere Jugendarbeit. Über die gute Zusammenarbeit mit der klassischen kirchlichen Jugendarbeit (Jugendverbandsarbeit) bieten wir ihnen die JuLeiCa- (Jugendleitercard) und Start-Up-Ausbildung (Vorstufe der JuLeiCa) an. So sind z. B. auch ehemalige Jugendliche aus dem BKT nun als junge Erwachsene im Vorstand der Ev. Jugend Hannover und auch außerhalb der eigenen Jugendarbeit als Teamer aktiv.

Die aktuellen Öffnungszeiten sind montags und donnerstags von 15 bis 20 Uhr, dienstags und freitags von 15 bis 19 Uhr und mittwochs von 17 bis 19 Uhr. Während der Öffnungszeit können die Jugendlichen den Treff nutzen, um ihre Freizeit zu gestalten und Freunde zu treffen. Eine Anmeldung oder ein Teilnehmerbeitrag sind in der Regel nicht zu leisten. Neben den regelmäßigen Öffnungszeiten unter der Woche bieten wir verschiedene Aktionen an, wie z. B. Ferienprogramme, Freizeiten, Ausflüge am Wochenende, themenbezogene Projekte, Public-Viewing zur EM/WM u.v.m. 

Durch die Kooperation mit den verschiedenen Einrichtungen und Vereinen im Stadtteil ist der BKT seit vielen Jahrzehnten ein fester Bestandteil der Kinder- und Jugendarbeit in Linden. Die engste und zielgruppenübergreifende Kooperation findet mit dem „Domino“ statt, der offenen Kindereinrichtung der Gemeinde.

Teilweise waren schon die Eltern der aktuellen Jugendlichen in ihrer eigenen Jugendzeit im BKT. Für viele Jugendliche stellt der Jugendkeller ein zweites Zuhause dar und wird von Ihnen täglich genutzt. Stabile Besucherzahlen von aktuell 20 bis 30 Jugendlichen pro Tag zeigen deutlich den Bedarf, der über das aktuelle Angebot hinausreicht. In Spitzenzeiten besuchen am Tag bis zu 50 Jugendliche den Jugendtreff. Seit Jahren wünschen sich die Jugendlichen mehr und längere Öffnungszeiten, gerade auch am Wochenende. In der Vergangenheit gab es mehrere Versuche unsererseits eine dauerhafte zweite Vollzeitstelle und damit auch mehr Angebote einzurichten. Dies konnte bislang leider noch nicht umgesetzt werden.

Ein fester Bestandteil der Jugendarbeit ist der BKT-Jugendrat. Im halbjährlichen Rhythmus wird er von allen Besuchern des BKTs gewählt und tagt alle 3-4 Wochen. Gemeinsam mit dem Sozialarbeiter werden aktuelle Themen und Anliegen der Jugendlichen besprochen, sowie das Programm bzw. Angebot des Jugendkellers geplant. Die Partizipation der Jugendlichen ist nicht nur konzeptionell verankert, sondern auch selbstverständlich für uns. Sie bekommt durch den Jugendrat aber noch einen besonderen Stellenwert und ist somit auch strukturell eingebettet. Das Engagement der Jugendlichen reicht weit über den eigenen Jugendbereich hinaus. So sind ihre Teilnahme und ihr Mitwirken an Gemeinde- und Stadtteilveranstaltungen ein fester Bestandteil. Vom Aufbau der Weihnachtsmarktbuden bei Wind und Wetter, über die ehrenamtliche Betreuung des Lindener Sommerferienprogramms für Kinder, das Anbringen von Nistkästen im Kirchturm bis hin zur Unterstützung und Beratung beim Abschließen eines passenden Handyvertrags, um mit seinen Enkeln in Kontakt bleiben zu können, zeigen sie ihre Hilfsbereitschaft. 

Über diese gut verzahnte Jugendarbeit kommen die verschiedenen Generationen in Kontakt. Eine Stärke des Trägers ist, dass er für alle Altersgruppen Angebote vorhält: Krabbelgruppen, Kitas, die offene Kindereinrichtung „Domino“, den Jugendkeller, diverse Gemeindegruppen und einen Seniorenkreis, also wie ein Familienzentrum oder Mehrgenerationenhaus in besonderer Form. Auf diese Weise haben die Jugendlichen mit dem BKT ihren eigenen Bereich und gleichzeitig – über den Träger und den Kooperationspartnern – eine gute Vernetzung mit der Gesellschaft.

Warum muss es gerade der BKT sein? Auf diese Frage gibt es mehrere Antworten. Für viele Besucher ist die Frage aber spätestens nach dem ersten Besuch im BKT beantwortet. Es ist immer wieder eine große Überraschung, wenn neue Besucher (Jung wie Alt) in den Keller unter der Bethlehemkirche kommen und dort den Jugendtreff entdecken. Unser Leitbild-Satz für die Kinder- und Jugendarbeit der Gemeinde lautet: „Wir möchten für Kinder und Jugendliche Freiräume schaffen und Schutzräume bieten.“; und genau das ist es, was der BKT leistet. 

Er bietet den Jugendlichen einen geschützten Rahmen, um sich frei entfalten und selbst ausprobieren zu können. Der BKT ist ein Rückzugsort vom oft stressigen Schulalltag und kann von den Jugendlichen einfach nur zur Erholung genutzt werden. Auch wenn es regelmäßige Angebote und Aktivitäten seitens der Mitarbeiter gibt, ist es völlig legitim, wenn die Jugendlichen nur zum „Chillen“ kommen. Der Jugendkeller bietet den Jugendlichen an, sich handwerklich, künstlerisch, musikalisch, politisch sowie auf weitere vielfältige Art und Weise auszuprobieren; dabei dürfen auch Fehler gemacht werden. Es gibt keinen Leistungsdruck oder Zwang, sondern Offenheit und Freiwilligkeit sind die Grundlage. So ist es selbstverständlich, dass sich die Jugendlichen mit ihren verschiedenen Kulturen, die im Stadtbezirk leben, auch im BKT begegnen und voneinander profitieren. Der BKT ist ihr (Lebens-) Raum, ihr Jugendtreff. Hier können sie laut sein und werden nicht – wie an vielen öffentlichen Plätzen – verdrängt; keiner sagt ihnen, dass sie stören oder unerwünscht sind. Dieses „Abtauchen“ in den Keller (BKT) hat einen hohen Wert für die Jugendlichen in der heutigen Zeit.

Die Einrichtung „BKT“ dient unserer Jugendarbeit als Basis. Die herausreichende Arbeit in den Stadtteil ist uns sehr wichtig und gehört zur aktuellen bzw. modernen Jugendarbeit. So bekommen selbstverwaltete Gruppen die Möglichkeit, die Räumlichkeiten zu nutzen oder einfach nur Beratung und Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Der Kern der Jugendarbeit besteht aus dem Jugendtreff; darüber hinaus beinhaltet sie aber viele weitere Facetten.

Mit unserer Jugendarbeit helfen und begleiten wir die Jugendlichen bei den Kernherausforderungen ihrer Lebensphase: Qualifizierung, Verselbständigung und Selbstpositionierung. Dies reicht von der konkreten Unterstützung bei der Erstellung von Bewerbungsunterlagen bis hin zu vielen einzelnen persönlichen Gesprächen. Die Mitarbeiter sind feste Bezugs- und Vertrauenspersonen für die Jugendlichen und haben immer ein offenes Ohr für ihre Anliegen. Sie können bei Bedarf auch als Vermittler zwischen den Jugendlichen und deren Eltern auftreten. Die Beziehungsarbeit mit den Jugendlichen ist der Schlüssel für eine gute akzeptierenden Jugendarbeit. Wir Erwachsenen können noch genau so viel von den Jugendlichen lernen, wie sie von uns.